TSG böllert an Silvester Salutkanone. Ein ordentlicher Rumms

Veröffentlicht am 31.03.2017

Ober-Eschbach.
Seit 30 Jahren erfreut sich die Schützenabteilung der TSG Ober-Eschbach an ihrer selbstgebauten Salutkanone. Die kommt zwar nur selten zum Einsatz, aber wenn, dann rummst es ganz gewaltig – so wie im Sommer beim Ironman in Frankfurt.
Normalerweise muss man als Sportschütze nicht unbedingt Frühaufsteher sein. Mit einer Ausnahme: Um für Tausende Sportler beim Frankfurter Ironman das Startzeichen zu geben, macht sich die kleine Delegation der TSG Schützenabteilung mitten in der Nacht auf den Weg zum Langener Waldsee. Da geben die Eschbacher um Punkt 6.30 Uhr den Startschuss, mit dem sich die Profis der Männer ins Wasser stürzen. Genau zwei Minuten später knallt’s für die Profis der Frauen, bevor nach weiteren zehn Minuten für knapp 3000 „Jedermänner“ der Startschuss fällt.

„Das ist ziemlich knapp zwischen den ersten Schüssen: Wenn sich der Qualm gelegt hat, müssen wir schnell das Rohr reinigen, damit nichts glimmt, bevor das Schwarzpulver für den nächsten Schuss eingefüllt wird. Dann wird mit einer Korkscheibe verdichtet und schließlich elektronisch gezündet“, erläutert Jürgen Küchler, Abteilungsleiter der TSG-Schützen.

Auch wenn natürlich keine Kugel aus dem Kanonenrohr fliegt, ist die Sache nicht ungefährlich: Neben dem lauten Knall entsteht eine gewaltige Druckwelle, und vorne schießt eine fünf bis sechs Meter lange Feuerlanze, gefolgt von ordentlich viel Qualm, aus dem Rohr. 50 Meter vor der Kanone und 10 Meter daneben, und dahinter darf niemand stehen. 100 Gramm Böllerpulver werden pro Schuss ins Kanonenrohr gefüllt. Klingt wenig, doch wenn man hört, dass in einer Gewehrkugel maximal ein Gramm steckt, bekommt man ein Gefühl für die Brisanz. „Für den Böllerschein muss man einen zweitägigen Lehrgang absolvieren und selbstverständlich muss das Schwarzpulver nachweislich sicher verwahrt sein“, erläutert Manfred Winkler.

Bevor ein Schuss abgegeben werden darf, ist eine behördliche Genehmigung notwendig („Der Derf-Schein“), und auch die Polizei wird informiert, falls besorgte Bürger wissen wollen, was los ist.

Zum Ironman kamen die Schützen, als die Veranstalter vor zwei Jahren eine Möglichkeit suchten, wie man für die Tausende von Athleten einen richtig lauten Startschuss ermöglichen kann. Über den Schützenbund wurde die TSG angefragt und gehört seither dazu.

Außer beim Ironman kommt die Salutkanone regelmäßig bei der Eschbacher Kerb zum Einsatz, und an Silvester verabschieden die TSG-Schützen traditionell das alte Jahr bereits vormittags mit Salutschüssen im Feld. Hin und wieder kommt die nach historischen Vorlagen erbaute Salutkanone (siehe Text unten) bei anderen Vereinen, Jubiläen oder großen Sportereignissen zum Schuss, ansonsten steht sie sicher verwahrt in der Garage eines Vereinsmitglieds.